Destilliertes Wasser – trinken oder nicht?

Irgendwie hat fast jeder noch die alte Regel im Hinterkopf, dass man niemals destilliertes Wasser trinken sollte. Entweder hat man das irgendwann von den Eltern gehört, (meist im Zusammenhang damit, warum da Bügeleisen destilliertes Wasser braucht) oder im Chemieunterricht.

Das aber eben nicht wirklich jeder diese Regel zeigen momentan vor allem die USA – dort gibt es einen gewissen Trends dazu destilliertes Wasser zu trinken, um sich vor irgendwelchen vage definierten Giftstoffen zu schützen. Da quasi jeder Gesundheitstrend aus den USA früher oder später auch zu uns herüberschwappt, haben wir uns jetzt schon mal angeschaut wie gefährlich, oder nicht, destilliertes Wasser ist.

Zuerst muss man mal etwas über die Begrifflichkeiten reden – es gibt nämlich eine ganze Reihe von arten von Wasser mit denen wir alle früher oder später in Kontakt kommen.

Destilliertes Wasser

Wassertropfen in GrauDas destillierte Wasser wird meistens erzeugt, indem normales Leitungswasser erhitzt und verdampft wird, und dann der kondensierte Dampf aufgefangen wird. Das Ergebnis ist Wasser in dem quasi keine Mineralien oder sonstiges Stoffe neben dem H20 enthalten sind. Dieses destillierte Wasser ist normalerweise ziemlich teuer, weil die Gewinnung sehr energieaufwändig ist (durch das starke Erhitzen und Abkühlen). Die meisten Destilliergeräte die man für daheim kaufen kann funktionieren nach diesem Prinzip.

Demineralisiertes Wasser

Dieses Wasser ist auch bekannt als entmineralisiertes, deionisiertes oder vollentsalztes Wasser (VE-Wasser). Umgangssprachlich gesagt ist das die „Billigversion“ vom richtigen destillierten Wasser. Es entfernt, wie der Name schon sagt, den Großteil der Mineralien aus dem Wasser, aber lässt die meisten anderen Stoffe die im Wasser sind intakt.

Erzeugt wird es durch das Ionenaustauschverfahren, welches deutlich billiger durchzuführen ist, als das energieintensive destillieren.
Das destillierte Wasser das man für das Bügeleisen kauft ist meistens eigentlich nur demineralisiertes Wasser. (Was auch draufsteht, wenn man weiß was es bedeutet) Für das Bügeleisen reicht das aber auch vollkommen.

Gefiltertes Wasser

Wasserfilter haben, wie der Name schon andeutet, Filter die bestimmte Stoffe teilweise entfernen. Die hochwertigsten Modelle haben meist eine Kombination von verschiedenen Filtern, um Schwermetalle, übermäßigen Kalk, und andere Stoffe teilweise zu entfernen.
Der große Unterschied zu destillieren und demineralisieren, ist eben dass die allermeisten Mineralien höchstens in geringem Maße entfernt werden. Es ist also sehr viel selektiver als die anderen Verfahren, und das Endergebnis ist Wasser das immer noch als normales Leitungswasser angesehen werden kann – nur eben mit etwas verändertem Inhalt.

 

Welche dieser Wasserarten sind nun Problematisch?

Destilliertes Wasser ist kurzfristig kein Problem. Da hat der Chemielehrer, der es bei uns zumindest so dargestellt hat, als ob man nach dem ersten Schluck ins Krankenhaus müsste, übertrieben. Spätestens im Magen wird aus dem reinen, destillierten Wasser schon wieder etwas ziemlich normales, weil in unserem Körper überall Minerallstoffe und anderer schnickschnack umher dümpeln. Das destillierte Wasser wird also in unserem Körper sehr schnell wieder zu normalem Wasser.

Problematisch wird es nur wenn man wirklich ständig große Mengen an destilliertem Wasser trinkt. Der Körper verliert ja jedes mal quasi eine kleine Menge Elektrolyte/Mineralien um das destillierte Wasser „normal“ zu machen. Um das ganze etwas undelikat auszudrücken: Man pinkelt deutlich mehr Mineralien raus, als man durch das destillierte Wasser rein bekommt. Das ist oft auch bei normalem Wasser so, aber bei destilliertem Wasser ist die Diskrepanz noch größer.

Langfristig kann ein hoher Konsum von destilliertem Wasser also zu einem Mineralstoffmangel und Störungen im Elektrolythaushalt führen. Das ist landläufig bekannt als Wasservergiftung.

Wenn man also regelmäßig größere Mengen destilliertes Wasser trinkt, sollte man darauf achten seine Mineralstoffzufuhr zu erhöhen.

Es gibt noch einen Sonderfall den man auch noch beachten sollte: Destilliertes Wasser aus dem Supermarkt ist (zumindest oft International) nicht als Lebensmittel deklariert. Entsprechend können potentiell schlechtere Plastike verwendet werden, die in noch stärkerem Maße als normale PET-Flaschen Chemikalien an das Wasser abgeben. Es bestehen also die gleichen Probleme auf die wir in unserem Artikel über Flaschenwasser aus dem Supermarkt hingewiesen haben – nur dass sie hier noch stärker sind.

Wie schaut es mit demineralisiertem und gefiltertem Wasser aus?

Demineralisiertes Wasser hat bezüglich des Elektrolythaushalts quasi die gleichen Eigenschaften wie destilliertes Wasser. Alles was oben steht gilt also auch für demineralisiertes Wasser.
Gefiltertes Wasser ist anders, weil die Mineralien-Zusammensetzung nur in geringerem Maße verändert wird, und weil es eben explizit zum trinken gefiltert wird. Hier muss man sich also bei Handelsüblichen Filtern keine Sorgen machen, und kann nach Lust und Laune so viel gefiltertes Wasser trinken wie man will.

Fazit zu destilliertem Wasser

In der überwältigenden Mehrheit der Situationen sollte man statt destilliertem Wasser einfach gefiltertes Wasser verwenden. Wasserfilter sind eben explizit für Trinkwasser konzipiert. Ein Wasserfilter kostet langfristig auch nicht viel mehr als ein Destilliergerät – die Kosten für die Filter stehen den hohen Energiekosten der Destillation und Anschaffungskosten gegenüber.
Falls man irgendwo ist, wo destilliertes Wasser die einzige Wahl ist – in manchen Teilen Asiens kriegt man fast nicht anderes – dann sollte man sich aber auch keine großen Sorgen machen. Solang man darauf achtet anderweitig viele Mineralstoffe zu sich zu nehmen kann man die Verluste durch das destillierte Wasser im Normalfall ausgleichen. Wenn man aber richtig viel Wasser trinkt, dann sollte man eher normales Wasser verwenden. Blos um auf der sicheren Seite zu sein.

Destilliertes Wasser kann also theoretisch ein Problem werden, aber in der Realität kann es durch gut durchdachtes handeln ausgeglichen werden.