6 Gründe, warum Wasser aus dem Supermarkt schlecht für alle ist

Wasser und vor allem Wasserflaschen aus dem Supermarkt sind böse. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern richtig böse. Für die ganze Welt. Das klingt jetzt erst mal nach einer sehr übertriebenen und etwas fragwürdigen Aussage – aber in diesem Artikel wollen wir uns mal anschauen ob da nicht doch ein unangenehm großer Haufen Wahrheit dahintersteckt.

Dass Einwegflaschen ein Problem sind, sollte für niemanden eine wirkliche Neuigkeit sein. Egal ob Fernsehen, Zeitungen, oder Radio – immer wieder hört man Berichte über die Probleme die durch Plastikmüll entstehen.
Abfuellanlage fue MineralwasserSeit der Einführung des Dosenpfandes zum 1.1.2003 sind nun mehr als 15 Jahre vergangen, und fast sämtliche Rückblicke die 2013 zum „Jubiläum“ des Dosenpfandes in verschiedensten Publikationen erschienen waren sich einig: Das Dosenpfand ist gescheitert, weil es statt mehr Mehrwegflaschen zu bringen nur die Dosen durch Einwegflaschen ersetzt hat.

Noch schlimmer: Der Anteil an Mehrwegflaschen in Deutschland ist seit Einführung des Dosenpfandes stark und konstant zurückgegangen. Das bedeutet, dass die Einwegflaschen nicht nur den Dosenmarkt übernommen haben, sondern auch weite Teile des Mehrwegmarktes.

Nun muss man der Fairheit wegen aber auch klarstellen, dass nicht das Dosenpfand alleine Schuld ist. Der Trend weg vom Mehrweg hatte schon früher begonnen – laut Statistiken der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung waren 1991 noch ca. 72% aller Getränkeflaschen die in Deutschland verkauft wurden Mehrwegflaschen. 2002, also kurz vor der Einführung des Dosenpfand war dieser Anteil bereits auf ca. 56% gesunken, und 2013 dann sogar auf bloß noch 40%.

Man kann schon fast sagen, dass Bier die letzte Bastion der Mehrwegflasche geworden ist. Fast alles andere wird aus billigen PET-Flaschen getrunken. Nur das Bier hält, als letzter knallharter Vertreter der Mehrwegflasche, einsam die Stellung – weil die meisten Verbraucher kein Bier aus Plastikflaschen wollen.

Aber die Probleme durch Wasserflaschen aus dem Supermarkt sind nicht auf das Plastik beschränkt, sondern das Wasser selbst ist in diesem Zusammenhang nicht ganz unproblematisch.

Schauen wir uns einfach mal die größten Probleme Schritt für Schritt an:

PET-Flaschen verbraucht viel Energie und Wasser

Es ist schon irgendwie bizarr: Wenn man Wasser aus einer Plastikflasche trinkt verbraucht man eigentlich viel mehr Wasser, als den bloßen Inhalt der Flasche.

Laut dieser Studie braucht es ca. 1.4 Liter Wasser um einen Liter Mineralwasser in den Supermarkt zu bringen. Für andere Getränke, wie Cola etc. steigt der Zusatzbedarf an Wasser noch um ein vielfaches höher.

Es gibt aber auch andere Studien, die von noch deutlich höherem Wasserverbrauch ausgehen: Diese Studie geht von ca. 3 Liter Wasser aus, die zum erstellen eines Liters Flaschenwasser nötig sind. Das passt einfach nicht in eine Welt in der Klimawandel Wassersparen wichtiger denn je macht.

Das eigentliche Problem bei der Produktion von PET-Flaschen ist aber der Energieverbrauch.

Allein für die Produktion von Plastikflaschen wird Jährlich nach Schätzungen das Energie-Äquivalent von mehr als 50 Mio. Barrel Öl verbraucht. 1 Barrel entspricht ca. 160 Litern, womit wir hier von der wahnsinnigen Menge von ca. 8 Milliarden Litern Öl pro Jahr reden.

Laut dieser Studie zu den Energiekosten der Produktion von Flaschenwasser ist die Herstellung der Flasche der im Normalfall mit Abstand größte Energieaufwand bei der Produktion von Flaschenwasser.

Insgesamt geht die Studie davon aus, dass die Produktion von abgefülltem Mineralwasser (mit allem drum und dran) bis zu 2000 mal mehr Energie verbraucht, als die Produktion der gleichen Menge an Leitungswasser.

Stellen Sie sich mal vor, solche Unterschiede im Verbrauch gäbs auch auf dem Automarkt. Käme es für Sie in Frage ein Auto zu fahren, das 10.000 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, statt 5 Liter?

Man muss aber auf der anderen Seite auch für Deutschland eine kleine Ausnahmen machen:

Durch das Pfandsystem werden in Deutschland alte PET-Flaschen teilweise als Rohstoff für neue PET-Flaschen verwendet. Das bessert die Umweltbilanz bei der Produktion ein wenig auf, aber verglichen mit Mehrwegflaschen bleibt sie trotzdem mehr als schlecht.

 

Der Transport von Flaschenwasser

Grosse Menge MineralwasserflaschenMan sollte meinen, dass der Energieaufwand zur Produktion der Wasserflaschen nicht mehr zu toppen ist, aber da liegt man leider falsch. Es gibt eine Möglichkeit den ohnehin gigantischen Energieaufwand noch in die Höhe zu treiben: Der Transport.

Der Unterschied zwischen der Energie die für die Produktion von Wasserflaschen benötigt wird, und der Energie die für den Transport der Wasserflaschen benötigt wird ist, dass die Produktionskosten quasi fix sind, aber die Transportkosten variabel.

Das bedeutet, dass die Energie für den Transport beliebig steigen kann – abhängig davon, wie weit die Wasserflaschen transportiert werden. So ist bei Mineralwasser aus regionalen Quellen meist die Flaschenproduktion der große Energieaufwand – aber bei Wasser, dass aus weit entfernten Quellen kommt, kann der Energieaufwand für den Transport ihn bei weitem überschreiten.

Mineralwasser von Nestle, das aus Frankreich kommt, oder gar „Fiji-Wasser“, das einmal um den halben Globus muss sind also nochmal einen Batzen schlimmer für die Welt.
Laut der Studie die bereits die Energiekosten für die Flaschenproduktion angeschaut hatte, kann der Energiebedarf für den Transport um mehr 50% größer sein, als der für die Herstellung der Flasche.

Und das alles um Wasser zu trinken, das eine minimal andere Mineralienzusammensetzung hat.

 

Alte Flaschen sind ein Alptraum für die Umwelt

Fisch PlastikflascheIn Deutschland landen die meisten PET-Flaschen im Recyclingkreislauf. International sieht das aber leider sehr anders aus. Der Großteil der Getränkeflaschen landet im Müll und wird dann entweder verbrannt oder in gigantischen Mülldeponien quasi einfach liegengelassen. Das ist beides schon weit vom Optimum entfernt, aber die wirkliche Gefahr geht von den Flaschen aus die einfach irgendwie in der Umwelt landen – sie werden einfach auf den Boden geworfen oder irgendwo liegen gelassen und in manchen Ländern einfach absichtlich zur billigen Entsorgung in das Meer geworfen.

Wenn die Flaschen dann irgendwo herumliegen fangen sie an sich zu zersetzen. Zuerst werden, langsam aber sicher immer mehr Chemikalien aus dem Plastik an die direkte Umgebung abgegeben, während die Umgebung die Flasche zersetzt.
Dabei wird das Plastik dann immer spröder und ganze Teile fangen an abzubrechen und wandern weiter in die Umgebung. So wird die große Plastikflasche dann in wahnsinnig viele kleine Plastikteile zersetzt, die sich durch Wind und Wasser in der Umwelt verteilen. Sehr viele davon finden ihren Weg in Gewässer und schließlich in den Ozean.

Diese winzigen Plastikpartikel geben auf ihrer ganzen Reise nicht nur ständig verschiedenste Chemikalien ab, sondern zusätzlich gibt es noch wahnsinnig viele andere Interaktionen von den Plastikpartikeln und der Umwelt.

Das Ausmaß dieser Verschmutzung hat in den letzten Jahren wirklich gigantische Außmaße angenommen bzw. die Ausmaße wurden in den letzten Jahren genauer erkannt. Es gibt bestimmte Bereiche in den Weltmeeren, in denen aufgrund der Strömungen sogenannte „Garbage Patches“ entstehen. Die beste deutsche Übersetzung dafür ist „Müllstrudel“. Das sind Orte an denen sich extrem viele sogenannte Mikroplastikpartikel ansammeln.

Man darf sich das jetzt nicht so vorstellen, dass dort lauter große Plastikteile und andere Müll herumschwimmen. Die Plastikteile sind wirklich winzigste Partikel – die meisten kleiner als 1mm die dort eben in gigantischer Anzahl herumschwimmen.

Dadurch, dass die Teile so klein sind ist es für Tiere dort quasi unmöglich sie nicht zu konsumieren – genauso wie es für Menschen unmöglich ist keine Abgase einzuatmen, wenn sie an einer vielbefahrenen Straße entlanggehen.

Im Körper von Fischen, Quallen und all den unendlich vielen anderen Meeresbewohnern führen die Plastikteile dann zu einer Vielzahl von komplikationen – angefangen von einfacher Vergiftung, über störung des Hormonhaushalts bis hin zu dem Punkt an dem der Verdauungstrakt von manchen Tieren so voll von Müll ist, dass normale Nahrung keinen Platz mehr hat. (letztes kommt vor allem bei Fischen und Vögeln vor die große Plastikteile schlucken, aber sogar Wale sind betroffen)

Neben den indirekten Effekten auf die Menschen durch die Störung der Umwelt in den Meeren hat das Mikroplastik aber auch noch viel direktere Folgen für uns.
Diese Plastikpartikel reichern sich nämlich in der Nahrungskette an und landen bei uns Menschen auf dem Tisch wenn wir Fisch essen.

Man könnte noch unendlich viel mehr zu diesem Thema schreiben – etwas was auch ständig passiert. Quasi jeden Tag kommt ein neuer Artikel, oder eine Untersuchung heraus die neue Gefahren und Schäden die durch Plastikmüll entstehen aufzeigen. Das was wir hier geschrieben haben ist wirklich nur ein winziger Kratzer an der Oberfläche dessen, was das Plastik mit unserer Welt anrichtet.

 

Die Qualität von Leitungswasser ist oft höher, als die von Mineralwasser

Wir haben in Deutschland das Glück exzellentes Leitungswasser zu haben, das noch dazu sehr scharf überwacht wird. Trotzdem misstrauen viele dem Leitungswasser und halten Mineralwasser für grundsätzlich besser.

Damit liegen sie aber oft daneben. Zuerst einmal unterliegt das Leitungswasser der deutschen Trinkwasserverordnung und das Mineralwasser der Mineralwasserverordnung. Die Trinkwasserverordnung hat in vielen Punkt deutlich niedrigere Grenzwerte und schreibt generell viel mehr Überwachung vor als die Mineralwasserverordnung.

So ist z.B. für Arsen 50 Microgram Arsen pro Liter für Tafelwasser/Mineralwasser erlaubt – für Leitungswasser aber nur 10 Microgram. Außerdem muss Mineralwasser nicht auf Pestizide oder den Nitratgehalt untersucht werden, während beides bei Leitungswasser genau geprüft wird.

Es gibt also keinen Grund zu glauben, dass das Mineralwasser sauberer wäre, als Leitungswasser. Das bestätigen auch Tests der Stiftung Warentest die Leitungswasser oft als besser sehen als Mineralwasser.

Auch beim Mineralstoffgehalt sollte man sich nicht zu sehr vom Wort „Mineralwasser“ mitreißen lassen. Laut Stiftung Warentest waren bei einer ihrer letzten Untersuchungen ca. 2/3 der getesteten Mineralwasser als „mineralstoffarm“ einzustufen.

Die einzige Bereich in dem das Mineralwasser dem Leitungswasser voraus sein könnte ist der Geschmack. Aber auch das hängt vor allem vom persönlichen Geschmack und dem Wohnort ab.
Falls man vor allem die prickelnde Kohlensäure vermisst, kann man sich einen Sprudler für zuhause kaufen. Und falls man den Geschmack selbst nicht mag, kann man oft mit einem Wasserfilter viel erreichen. Und mit diesen beiden Optionen tut man der Umwelt, verglichen damit tausende PET-Flaschen zu kaufen, wirklich etwas gutes.

 

Plastikflaschen können Fremdstoffe in dein Trinkwasser bringen

Plastikmuell im MeerWir haben schon mehrfach darüber geredet, aber es lohnt sich es trotzdem immer wieder zu sagen: Plastikflaschen können Chemikalien in ihren Inhalt abgeben.

Das bekannteste Beispiel ist Bishpenol A (auch bekannt als BPA), aber es gibt eine riesige Anzahl weiterer Chemikalien die im Wasser auftauchen können. Wenn Plastikflaschen z.B. länger in der Sonne liegen gelassen werden, geben sie größere Mengen Acetaldehyde frei, welches man oft sogar schmecken kann wenn man das Wasser trinkt. Es tauchen auch unerwartete Stoffe die in Wasserflaschen auf – wie z.B. sehr hohe Mengen an Östrogen. Hier ist z.B. noch nicht geklärt ob es durch die Flaschen freigesetzt, oder die in den letzten Jahren massiv gestiegen Konzentration von Östrogen in der Umwelt schuld ist.

Insgesamt ist aber eines klar: Durch das Trinken von Wasser aus PET-Flaschen wird man einer deutlich höheren Chemikalienbelastung ausgesetzt, als durch das Trinken von Leitungswasser (oder Flaschenwasser aus Glasflaschen)

Zusätzlich haben die meisten Einweg-Plastikflaschen eine überraschende Eigenschaft:

Die PET-Flaschen sind nicht dicht. Nicht in dem Sinne, dass Wasser heraustropft, sondern in dem Sinne, dass bestimmte Gase durch das Plastik durchkommen. Typischerweise betrifft das vor allem Kohlensäure bzw. Kohlendioxid. Wenn eine PET-Flasche einfach sehr lange herumsteht wandert Kohlendioxid langsam durch die Hülle. Sprudelwasser verliert also langsam seine Spritzigkeit und stilles Wasser wird langsam schal – in der Flasche. Das ist gesundheitlich zwar nicht bedenklich, aber es sollte doch zu denken geben, wie wenig “robust” PET-Flaschen sind.

 

Mineralwasser kostet einfach viel Geld

Wasser sparen spart GeldEgal wie man es rechnet – Mineralwasser aus dem Supermarkt kostet geradezu lächerlich viel mehr als Wasser aus der Leitung. Oben haben wir schon aufgezeigt, dass es im Normalfall weder Qualitativ besser ist, noch mehr Mineralien enthält als Leitungswasser.

Zumindest in Deutschland rechtfertigen die kleinen Unterschiede zwischen Mineralwasser und Leitungswasser wirklich nur in den aller seltensten Fällen die massiven zusätzlichen Belastungen für die Umwelt und die zusätzlichen Belastungen für den eigenen Geldbeutel.

Natürlich denkt man jetzt „Mineralwasser ist doch so billig“.  Und das stimmt natürlich wenn man es auf den Tag gesehen betrachtet. Aber wenn man für eine Familie nur 2€ pro Tag für Mineralwasser ausgibt (was bei manchen sorten gerade mal 2 Flaschen sind) sind das schon mehr als 700€ pro Jahr.
Für 700€ kriegt man einen exzellenten Sprudler um selbst Sprudelwasser zu machen, und noch dazu einen super Wasserfilter falls man den Geschmack des lokalen Leitungswassers selbst nicht mag. Und diese zahlen dann mit der Zeit einfach für sich selbst.

 

Fazit: Warum Mineralwasser einfach eine schlechte Wahl ist

Es gibt natürlich Situationen wo Mineralwasser aus Flaschen die beste Wahl ist – z.b. wenn man in Ländern unterwegs ist wo die Leitungswassersituation ziemlich unsicher ist.

Aber auch in Deutschland kann Mineralwasser temporär eine gute Lösung sein.  Zum Beispiel wenn das lokale Wasser aus irgend einem Grund verunreinigt ist, oder wenn man unterwegs ist und nicht genug Wasser von daheim mitgebracht hat.

Für die allermeisten Alltagssituationen ist Mineralwasser, bzw. jedes Flaschenwasser aus dem Supermarkt aber eine schlechte Wahl, die sowohl die Umwelt, als auch einen selbst einfach unnötig belastet.
Das zentrale Wort ist hierbei das „unnötig“.

Es wäre etwas anderes, wenn Flaschenwasser in Deutschland wirklich nötig wäre, weil es keine gleichwertige Alternative gäbe – aber Leitungswasser ist hierzulande wirklich so gut, dass Mineralwasser in der überwältigenden Mehrheit der Fälle eine Luxus ist, der viel mehr Schaden anrichtet, als nutzen zu bringen.

Falls man das lokale Wasser wirklich nicht ausstehen kann, kann man es meist mit einem Sprudler und/oder Wasserfilter meistens doch zum eigenen Geschmack hinbiegen.
Und dann kann man sich statt tausenden kleinen Einwegflaschen einfach 2 oder 3 wiederverwendbare Flaschen für Daheim und Unterwegs kaufen. Diese sind zwar bei der Anschaffung teurer, aber langfristig sind sie den Supermarktflaschen in wirklich jeder Hinsicht überlegen. Sie sind besser für die Umwelt, besser für die eigene Gesundheit, langfristig billiger, und einfach viel flexibler und praktischer. Wenn man mal Tee statt Wasser will klappt das ohne Probleme. Warmer Wasser, statt kühlem? Nur zu. Und noch dazu gibt es verschiedene Größen, und Varianten wie z.B. isolierte Trinkflaschen um das Wasser an einem heißen Tag kühl zu halten.

Man muss also nicht auf die Bequemlichkeit von Einwegflaschen verzichten, sondern man kann das beste aus beiden Welten haben. Der Umwelt zu helfen, während man auch noch selberVorteile daraus zieht ist doch wirklich etwas gutes.